OctoAuto: Das 8-Räder-Auto von 1911, das mit allem recht hatte — außer dem Preis
1911 präsentierte Milton Othello Reeves den OctoAuto beim ersten Indianapolis 500: ein Auto mit 8 Rädern, 4 Achsen und über 6 Metern Länge. Die Presse war begeistert. Der Komfort war real. Und trotzdem — kein einziger Käufer. Niemals.
In diesem Video erzählen wir die faszinierende Geschichte des OctoAuto: Woher kam die Idee, wie wurde sie entwickelt, warum scheiterte sie kommerziell trotz solider Ingenieursleistung — und warum hatte Reeves eigentlich auf ganzer Linie recht, ein Jahrhundert zu früh.
Milton Othello Reeves war kein gewöhnlicher Tüftler. Als Autodidakt mit über 100 Patenten — darunter die Erfindung des stufenlosen Getriebes — verbrachte er sein Leben damit, reale Probleme in konkrete Lösungen zu verwandeln.
1911 war sein Problem der Fahrkomfort. Die Straßen waren unbefestigt, Blattfedern absorbierten Stöße kaum, und Passagiere kamen mit ramponierter Wirbelsäule ans Ziel. Seine Inspiration kam von den Pullman-Waggons: Luxuszüge, die dank vierrädriger Drehgestelle sanft über die Schienen glitten. Reeves dachte: Wenn es auf der Schiene funktioniert, warum nicht auf der Straße?
Er nahm einen Overland von 1910 und fügte zwei zusätzliche Achsen hinzu. Das Ergebnis: der OctoAuto. 8 Räder. 4 Achsen. Echter Komfort, von der Presse bestätigt. Aber ein Preis von 3.200 Dollar — fünfmal so viel wie ein Ford Model T, was heute rund 100.000 CHF entspricht.
Null Verkäufe. Niemals.
Und dennoch: Moderne Feuerwehrfahrzeuge nutzen genau dieses Prinzip. Hochgeschwindigkeitszüge fahren noch immer auf Drehgestellen. Reeves hatte recht. Er war nur hundert Jahre zu früh — für die Materialien, die Straßen und die Budgets seiner Zeitgenossen.
Manchmal reicht eine richtige Idee nicht aus. Die Welt muss auch bereit sein, sie aufzunehmen — und ihr Preis muss menschlich sein.



