Veröffentlicht am 17. April 2026 — Zuletzt aktualisiert: 10. September 2026 — Motoro.ch
Das eigene Auto aus Deutschland oder Frankreich importieren, um ein paar Tausend Franken zu sparen: eine in der Schweiz fest verankerte Praxis. Doch mit der Entwicklung der Wechselkurse, Steuern und Vorschriften im Jahr 2026 — lohnt sich der Aufwand noch? Wir machen die Rechnung.
Wie ist die Ausgangslage für den Autoimport 2026?
Der Wechselkurs EUR/CHF ist ein entscheidender Faktor für den Import. Und 2026 spielt er klar zugunsten der Schweizer Käufer:
- Durchschnittskurs 2025: 1 EUR = 0,937 CHF
- März 2026: Der Schweizer Franken hat sich weiter aufgewertet und die Schwelle von 0,90 EUR/CHF durchbrochen
- April 2026: Der Kurs pendelt um 0,91-0,92 EUR/CHF
Konkret: Ein Auto, das in Deutschland für 30’000 € angeboten wird, kostet zum aktuellen Kurs etwa CHF 27’300 — gegenüber CHF 28’110 vor einem Jahr. Der starke Franken macht den Import auf dem Papier attraktiver denn je.
Welche Kosten fallen bei einem Fahrzeugimport an?
Bevor man sich zu früh freut, müssen alle Kosten addiert werden:
Import aus der EU (Deutschland, Frankreich)
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Fahrzeugpreis | Angegebener Preis (in EUR umgerechnet in CHF) |
| Zollgebühren | 0 CHF — seit dem 1. Januar 2024 für alle Herkunftsländer aufgehoben (Abschaffung der Industriezölle); ein Ursprungsnachweis EUR.1 ist nicht mehr nötig |
| Automobilsteuer | 4 % des Kaufpreises |
| Schweizer Mehrwertsteuer | 8,1 % des Gesamtwerts (Kaufpreis + Automobilsteuer + Gebühren) |
| Prüfungsbericht Form. 13.20 A (Veranlagungsnachweis, vom Zoll ausgestellt) | CHF 20 |
| CO2-Sanktion | Nur für neue oder fast neue Fahrzeuge (erste Zulassung im Ausland vor weniger als 6 Monaten, oder weniger als 12 Monate und unter 5’000 km): CHF 95 pro Gramm über dem individuellen Zielwert (Betrag 2025-2026), zu bezahlen vor der Zulassung. Ältere Occasionen: keine |
| Motorfahrzeugkontrolle (MFK) | CHF 60-100 |
| Provisorische Schilder / Transit | CHF 50-100 (je nach Kanton) |
| Anpassung an Schweizer Normen | Variabel (Scheinwerfer, km/h-Tacho, etc.) |
| Transport / Benzin | Variabel |
Konkretes Beispiel: Ein VW Golf 2022 für 22’000 €
| Posten | Betrag (CHF) |
|---|---|
| Kaufpreis (22’000 € × 0,92) | 20’240 |
| Automobilsteuer (4 %) | 810 |
| Schweizer MwSt. (8,1 % auf Gesamtwert) | 1’720 |
| Verzollung + MFK | 150 |
| Transport (einfache Fahrt) | 200 |
| Total Import | ~23’120 |
| Vergleichspreis in der Schweiz | ~25’000-27’000 |
| Geschätzte Ersparnis | 2’000-4’000 CHF |
Welche administrativen Schritte sind nötig?
Beim Import geht es nicht nur um den Preis — es ist auch ein administratives Abenteuer:
- Fahrzeugprüfung: Historik, Kilometerstand, Zustand (Besichtigung vor Ort empfohlen)
- Kaufvertrag: Unerlässliches Dokument für den Zoll
- Übereinstimmungsbescheinigung (COC): Beim Verkäufer anfordern, sie vereinfacht die MFK und die Zulassung in der Schweiz
- Zollabfertigung: Anmeldung des Fahrzeugs bei einer Schweizer Zollstelle; der Zoll stellt Ihnen den Prüfungsbericht Form. 13.20 A (CHF 20) aus — den Veranlagungsnachweis, den das Strassenverkehrsamt verlangt
- Zahlung der Abgaben: Automobilsteuer (4 %) + MwSt. (8,1 %) — seit dem 1. Januar 2024 fallen keine Zollabgaben mehr an
- Motorfahrzeugkontrolle (MFK): Vor der Schweizer Zulassung zu bestehen; eine gesetzliche «30-Tage-Frist» gibt es nicht, aber wer in der Schweiz wohnt, darf höchstens einen Monat mit ausländischen Kontrollschildern fahren (Art. 115 VZV)
- Immatrikulation: Beim Strassenverkehrsamt Ihres Kantons
Benötigte Dokumente
- Reisepass oder Personalausweis
- Kaufvertrag
- Prüfungsbericht Form. 13.20 A — wird nach der Verzollung von der Zollstelle ausgestellt (CHF 20); kein Formular zum Ausfüllen
- Original-Fahrzeugschein
- Konformitätsbescheinigung (COC), falls vorhanden
Wann lohnt sich der Import?
Der Import lohnt sich, wenn:
- Die Preisdifferenz CHF 3’000-4’000 übersteigt (um die Kosten und den Zeitaufwand zu decken)
- Das Fahrzeug neueren Datums und in gutem Zustand ist (ältere Modelle erfordern oft kostspielige Anpassungen)
- Sie bei einem Händler kaufen (nicht privat) — zuverlässiger bei den Dokumenten (COC, Rechnung, Historie) und der Garantie
- Das Fahrzeug keine grösseren technischen Anpassungen erfordert (Scheinwerfer, etc.)
Der Import lohnt sich NICHT, wenn:
- Die Preisdifferenz unter CHF 2’000 liegt
- Das Fahrzeug älter als 8-10 Jahre ist (Risiko versteckter Kosten und Anpassungen)
- Sie sich mit den administrativen Schritten nicht wohlfühlen (ein Importeur kann das übernehmen, kostet aber CHF 500-1’500)
- Das Fahrzeug ein sehr gängiges Modell ist, das auf dem Schweizer Markt reichlich vorhanden ist
Welche Fahrzeugsegmente lohnen sich am meisten für den Import?
- Deutsche Premium-Limousinen (BMW 3er, Mercedes C-Klasse, Audi A4): In Deutschland oft 15-25 % günstiger
- Beliebte SUV (VW Tiguan, Skoda Kodiaq): Signifikante Preisunterschiede
- Nutzfahrzeuge und Lieferwagen: Der deutsche Markt ist wesentlich umfangreicher
- Elektrofahrzeuge: Die Neupreise sind in Deutschland dank vergangener Subventionen oft tiefer
Welche Fallen sollten Sie beim Import vermeiden?
- Manipulierter Kilometerstand: Leider immer noch häufig, besonders bei Privatverkäufen. Nutzen Sie einen Historik-Prüfdienst
- Unfallfahrzeuge und reparierte Wagen: Fordern Sie den vollständigen Historienbericht an
- Eingeschränkte Garantie: Die Herstellergarantie gilt in der Regel europaweit, prüfen Sie aber die Bedingungen
- Euro-Norm: Stellen Sie sicher, dass das Fahrzeug mindestens die Euro-6-Norm erfüllt, um künftige Einschränkungen zu vermeiden
Lohnt sich der Autoimport 2026 noch?
Im Jahr 2026, mit einem starken Schweizer Franken und wettbewerbsfähigen deutschen Preisen, bleibt der Import eine interessante Option — besonders für Premium-Fahrzeuge und neuere Modelle. Die potenzielle Ersparnis von CHF 2’000 bis 5’000 rechtfertigt den Aufwand für viele Käufer. Aber der Zeitaufwand und das Risiko müssen berücksichtigt werden: Wenn Sie sich mit den Formalitäten nicht wohlfühlen, ist es besser, in der Schweiz zu kaufen oder einen professionellen Importeur zu beauftragen.
Vergleichen Sie die Fahrzeugpreise in der Schweiz auf Motoro, bevor Sie sich für einen Import entscheiden.
Quellen: BAZG – Definitive Einfuhr eines Personenwagens (Automobilsteuer 4 %, MwSt. 8,1 %, Form. 13.20 A), BAZG – Aufhebung der Industriezölle per 1.1.2024, BFE – CO2-Vorschriften für Personenwagen (importierte Fahrzeuge, Art. 17d), BFE – FAQ CO2-Sanktion (CHF 95/g), VZV (SR 741.51), Art. 115, Allianz – Autoimport in die Schweiz, AutoScout24 – Auto importieren
