
Einen Gebrauchtwagen zu kaufen ist eine wichtige Investition. Um boese Ueberraschungen zu vermeiden, haben wir 50 wesentliche Pruefpunkte zusammengestellt, die vor jedem Kauf in der Schweiz systematisch ueberprueft werden sollten. Drucken Sie diese Liste aus und nehmen Sie sie zur Besichtigung mit.
Karosserie und Aeusseres (Punkte 1-10)
1. Allgemeiner Zustand der Karosserie
Betrachten Sie das Fahrzeug aus verschiedenen Winkeln bei Tageslicht. Suchen Sie nach Dellen, Kratzern und Farbunterschieden, die auf eine Reparatur hindeuten koennten.
2. Rost und Korrosion pruefen
Ueberpruefen Sie besonders Radlaeufe, Schweller, Tuerkanten und die Unterseite der Tueren. In der Schweiz sind strassensalzbedingte Korrosionsschaeden haeufig.
3. Spaltmasse kontrollieren
Gleichmaessige Spaltmasse zwischen Motorhaube, Kofferraum, Tueren und Kotfluegeln deuten auf ein unfallfreies Fahrzeug hin. Ungleichmaessige Spalten sind ein Alarmzeichen.
4. Zustand der Scheiben
Suchen Sie nach Steinschlaegen, Rissen und Kratzern auf der Windschutzscheibe. Ein Steinschlag groesser als 2 cm fuehrt in der Regel zum Nichtbestehen der MFK.
5. Scheinwerfer und Rueckleuchten
Pruefen Sie auf Feuchtigkeit in den Gehaeusen (Kondenswasser), Risse und vergilbte Glaeser. Alle Leuchtmittel muessen funktionieren.
6. Reifen inspizieren
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe betraegt 1,6 mm in der Schweiz, empfohlen werden mindestens 3 mm. Achten Sie auf ungleichmaessige Abnutzung – sie kann auf Fahrwerks- oder Achsprobleme hinweisen. Pruefen Sie das DOT-Datum: Reifen aelter als 6 Jahre sollten ersetzt werden.
7. Felgen pruefen
Suchen Sie nach Bordsteinschaeden, Rissen und Verformungen. Bei Alufelgen auf Korrosion achten.
8. Unterboden besichtigen
Wenn moeglich, schauen Sie unter das Fahrzeug (Hebebuehne ideal). Achten Sie auf Rost, Oelspuren, beschaedigte Schutzbleche und provisorische Reparaturen.
9. Tuerdichtungen kontrollieren
Gummidichtungen sollten elastisch und ohne Risse sein. Sproede Dichtungen fuehren zu Wassereinbruechen und Windgeraeuschen.
10. Lackschichtdicke messen
Ein Lackschichtdickenmessgeraet zeigt, ob Teile nachlackiert wurden. Originalwerte liegen zwischen 80-150 Mikrometer. Hoehere Werte deuten auf Spachtel und Reparaturen hin.
Innenraum und Komfort (Punkte 11-20)
11. Geruch im Innenraum
Muffiger Geruch kann auf Feuchtigkeitsschaeden hindeuten. Tabakgeruch laesst sich nur schwer entfernen. Oeffnen Sie alle Tueren und riechen Sie bewusst.
12. Sitze und Polsterung
Pruefen Sie auf Risse, Flecken und uebermaessigen Verschleiss. Die Sitzverstellung (elektrisch und manuell) muss einwandfrei funktionieren. Sitzheizung testen.
13. Lenkrad und Pedale
Uebermaessiger Verschleiss an Lenkrad, Schaltknauf und Pedalgummis kann auf eine hoehere als angegebene Laufleistung hindeuten.
14. Armaturenbrett und Verkleidungen
Suchen Sie nach Rissen, losen Teilen und Klappergeraeuschen. Alle Schalter und Knoepfe muessen funktionieren.
15. Klimaanlage testen
Die Klimaanlage muss innerhalb von 2-3 Minuten spuerbar kuehlen. Eine schwache Kuehlung deutet auf fehlendes Kaeltemittel oder defekten Kompressor hin. Neufuellung: CHF 150-300, Kompressortausch: CHF 1’000-2’500.
16. Heizung und Lueftung pruefen
Alle Geblaesestufen und Luftverteilungsklappen testen. Pruefen Sie, ob die Heizung schnell warm wird.
17. Infotainment-System
Radio, Navigation, Bluetooth, Apple CarPlay/Android Auto testen. Alle Lautsprecher auf Funktion pruefen.
18. Elektrische Fensterheber
Alle Fenster hoch- und runterfahren. Achten Sie auf Geraeusche und ungleichmaessige Bewegungen.
19. Kofferraum inspizieren
Pruefen Sie den Kofferraum auf Feuchtigkeit, Reserverad/Pannenkit und Bordwerkzeug. Kontrollieren Sie die Reserveradmulde auf Rost.
20. Sicherheitsausstattung
Sicherheitsgurte auf Funktion und Zustand pruefen. Airbag-Warnleuchte darf nach dem Starten nicht dauerhaft leuchten. Kopfstuetzen und Kindersicherungen kontrollieren.
Motor und Mechanik (Punkte 21-30)
21. Motorraum allgemein
Ein sauberer Motor ist gut, aber ein dampfgereinigter Motorraum kann Leckagen verbergen. Schauen Sie auf Oelspuren, feuchte Stellen und provisorische Reparaturen.
22. Oelstand und -qualitaet
Kontrollieren Sie den Oelstand am Peilstab. Das Oel sollte honigfarben bis dunkelbraun sein. Milchige Verfaerbung deutet auf Kuehlwasser im Oel hin (Zylinderkopfdichtung!) – ein teurer Schaden (CHF 2’000-5’000).
23. Kuehlflussigkeit pruefen
Den Ausgleichsbehaelter bei kaltem Motor kontrollieren. Die Fluessigkeit sollte klar und farbig sein (gruen, rosa oder blau). Braune oder oelige Verfaerbungen deuten auf Probleme hin.
24. Zahnriemen/Steuerkette
Fragen Sie nach dem letzten Zahnriemenwechsel und verlangen Sie den Beleg. Intervalle variieren je nach Hersteller (60’000-120’000 km). Kosten bei faelligem Wechsel: CHF 800-1’800. Eine ueberfaellige Steuerkette kann zu Motorschaeden fuehren.
25. Abgasverhalten beobachten
Blauer Rauch = Oelverbrennung (Kolbenringe/Ventilschaftdichtungen). Weisser Rauch = Kuehlwasser im Brennraum (Kopfdichtung). Schwarzer Rauch = zu fettes Gemisch (Einspritzung). Bei kaltem Motor starten und Auspuff beobachten.
26. Kaltstart beobachten
Bitten Sie darum, den Motor erst bei Ihrer Anwesenheit zu starten. Ein Kaltstart offenbart Probleme: unrunder Lauf, laute Ventile, Rasseln der Steuerkette, verzoegerter Oeldruckaufbau.
27. Getriebe und Kupplung
Beim Schaltgetriebe: Alle Gaenge durchschalten, auf Kratzgeraeusche achten. Kupplung auf Schleifpunkt pruefen – ein hoher Schleifpunkt deutet auf Verschleiss hin. Automatikgetriebe: Sanfte Gangwechsel ohne Rucken. DSG: Auf Vibrationen im Kriechgang achten.
28. Bremsen testen
Bremsscheiben visuell auf Rillen und Rost pruefen. Bei der Probefahrt: Das Auto muss gerade bremsen, ohne zu ziehen. Quietschen oder Schleifen deutet auf verschlissene Belaege hin. Bremsscheibendicke messen (Mindestdicke auf der Scheibe eingepaegt).
29. Lenkung und Fahrwerk
Am stehenden Auto das Lenkrad hin und her bewegen – es sollte kein Spiel haben. Ueber Bodenwellen pruefen: Poltern deutet auf verschlissene Stossdaempfer, Buchsen oder Stabilisatorenlinks hin.
30. Auspuffanlage
Auf Rost, Loecher und lose Befestigungen pruefen. Den Auspuff bei laufendem Motor kurz mit der Hand zuhalten – Zischen deutet auf Leckagen hin.
Elektrik und Elektronik (Punkte 31-37)
31. Batterie pruefen
Alter der Batterie kontrollieren (Aufkleber oder Datumscode). Autobatterien halten im Durchschnitt 4-6 Jahre. Korrosion an den Klemmen deutet auf ein Problem hin. Ersatz: CHF 150-400.
32. Fehlerspeicher auslesen
Unbedingt den OBD-II-Fehlerspeicher auslesen lassen. Gespeicherte oder aktive Fehlercodes decken versteckte Probleme auf. Viele Werkstaetten bieten dies fuer CHF 50-80 an. EOBD-Stecker befindet sich meist unter dem Armaturenbrett links.
33. Kontrollleuchten beim Starten
Nach dem Einschalten der Zuendung muessen alle Warnleuchten kurz aufleuchten und dann erloeschen. Leuchten, die nicht aufleuchten, wurden moeglicherweise entfernt (Manipulation!). ABS, Airbag, Motorkontrollleuchte besonders beachten.
34. Beleuchtung komplett testen
Abblendlicht, Fernlicht, Nebelscheinwerfer, Bremsleuchten, Blinker, Rueckfahrscheinwerfer, Nebelschlussleuchte und Kennzeichenbeleuchtung – alles muss funktionieren fuer die MFK.
35. Elektrische Verbraucher
Scheibenwischer (alle Geschwindigkeiten), Scheibenwaschanlage (vorne und hinten), Heckscheibenheizung, beheizbare Aussenspiegel, elektrische Sitzverstellung und Sitzheizung testen.
36. Parkassistenten und Kameras
Einparkhilfe (PDC), Rueckfahrkamera und 360-Grad-Kamera auf Funktion testen. Sensoren auf Beschaedigungen pruefen.
37. Fahrassistenzsysteme
Tempomat, adaptiver Tempomat (ACC), Spurhalteassistent und Totwinkelwarner pruefen, sofern vorhanden. Fehlfunktionen koennen teure Reparaturen nach sich ziehen.
Dokumente und Papiere (Punkte 38-44)
38. Fahrzeugausweis kontrollieren
Pruefen Sie den Fahrzeugausweis (Formular 13.20A) sorgfaeltig: Halterangaben, Fahrgestellnummer (VIN), Erstinverkehrsetzung, letzte MFK, eingetragene Aenderungen. Die VIN muss mit der Plakette am Fahrzeug uebereinstimmen.
39. Kilometerstand verifizieren
Vergleichen Sie den aktuellen Stand mit dem Eintrag bei der letzten MFK. Verlangen Sie Servicebelege, die den Kilometerstand dokumentieren. In der Schweiz werden jaehrlich etwa 5-10 % der Occasionsfahrzeuge mit manipuliertem Tacho verkauft.
40. Servicehistorie pruefen
Ein lueckenlos gefuehrtes Scheckheft (Serviceheft) erhoeht den Wert des Fahrzeugs erheblich. Verlangen Sie Rechnungen und Belege fuer durchgefuehrte Wartungen. Fehlende Historie ist ein Warnsignal.
41. MFK-Status pruefen
Die MFK (Motorfahrzeugkontrolle) ist in der Schweiz obligatorisch: erstmals nach 4 Jahren, dann alle 3 Jahre, ab 8 Jahren alle 2 Jahre. Pruefen Sie das Datum der letzten MFK und eventuelle Maengelprotokolle.
42. Unfallhistorie abfragen
Fragen Sie direkt nach Unfallschaeden und verlangen Sie eine ehrliche Antwort. Laut Schweizer Recht muss der Verkaeufer bekannte Maengel offenlegen (OR Art. 197). Lassen Sie sich die Schadenfreiheit schriftlich bestaetigen.
43. Leasingrueckgabe oder Import
Bei ehemaligen Leasingfahrzeugen das Rueckgabeprotokoll verlangen. Bei Importfahrzeugen das Formular 13.20A und den Verzollungsnachweis (Formular 18.44) pruefen. Importierte Fahrzeuge benoetigen eine Einzelgenehmigung des ASTRA.
44. Eigentumsnachweis
Stellen Sie sicher, dass der Verkaeufer tatsaechlich der eingetragene Halter ist oder eine Vollmacht besitzt. Bei Privatverkauf: Identitaet mit Ausweis ueberpruefen. Bei Haendler: Handelsregistereintrag pruefen.
Probefahrt (Punkte 45-50)
45. Probefahrt planen
Mindestens 20-30 Minuten einplanen. Route mit verschiedenen Strassenbelaegen, Steigungen, Autobahn und innerorts vorsehen. Den Motor kalt starten (nicht vom Verkaeufer vorwaermen lassen).
46. Fahrverhalten beobachten
Geradeauslauf pruefen: Das Auto darf nicht nach links oder rechts ziehen. Auf ungewoehnliche Vibrationen im Lenkrad oder den Sitzen achten. Das Fahrwerk sollte komfortabel und ohne Poltergeraeusche arbeiten.
47. Geraeusche identifizieren
Radio ausschalten und auf Geraeusche achten: Klappern, Quietschen, Pfeifen, Brummen. Beim Ueberfahren von Schwellen, beim Einlenken und beim Beschleunigen genau hinhoeren.
48. Bergauf und bergab testen
In der Schweiz besonders wichtig: Pruefen Sie das Verhalten bei Steigungen. Kupplung und Motor muessen ausreichend Kraft liefern. Bergab das Bremsverhalten testen – die Bremsen duerfen nicht faden.
49. Alle Fahrmodi testen
Falls vorhanden: Eco-, Comfort-, Sport- und Offroad-Modus testen. Allradantrieb auf losem Untergrund pruefen. Automatik-Tiptronic oder Schaltwippen ausprobieren.
50. Nach der Fahrt nochmals pruefen
Nach der Probefahrt nochmals unter das Auto schauen: Neue Oel- oder Kuehlwasserflecken? Motorraum oeffnen und auf ungewoehnliche Gerueche (verbranntes Oel, heisses Kuehlwasser) achten. Temperaturanzeige kontrollieren – eine Ueberhitzung nach kurzer Fahrt ist ein gravierendes Warnsignal.
Bonus: Preisverhandlung und Kaufabschluss
Nutzen Sie die gefundenen Maengel als Verhandlungsargumente. Kalkulieren Sie die Kosten fuer anstehende Reparaturen und Wartungen (MFK, Zahnriemen, Reifen, Bremsen) und ziehen Sie diese vom Kaufpreis ab. In der Schweiz liegt der uebliche Verhandlungsspielraum bei Privatverkaeufen bei 5-15 % des Inseratspreises.
Bestehen Sie auf einen schriftlichen Kaufvertrag. Der TCS bietet einen standardisierten Kaufvertrag an, der Kaeufer und Verkaeufer gleichermassen schuetzt. Darin sollten Kilometerstand, bekannte Maengel, Garantieausschluss und Zahlungsmodalitaeten festgehalten werden.
Haeufig gestellte Fragen
Wie viel kostet eine professionelle Fahrzeugpruefung vor dem Kauf in der Schweiz?
Eine professionelle Kaufinspektion beim TCS oder einer AGVS-Werkstatt kostet CHF 150-350 je nach Umfang. Der TCS-Occasionstest umfasst ueber 100 Pruefpunkte und kostet fuer Mitglieder CHF 195 und fuer Nichtmitglieder CHF 295. Diese Investition kann Sie vor Schaeden von mehreren tausend Franken bewahren.
Muss ich als Kaeufer die MFK bezahlen?
In der Regel traegt der Verkaeufer die Kosten fuer eine gueltige MFK. Ist die MFK abgelaufen, koennen Sie entweder einen Preisnachlass verhandeln oder verlangen, dass der Verkaeufer das Fahrzeug vorfuehrt. Die MFK-Kosten betragen je nach Kanton CHF 50-120.
Kann ich bei einem Occasionskauf in der Schweiz vom Kauf zuruecktreten?
Bei Privatverkaeufen gibt es in der Schweiz kein gesetzliches Widerrufsrecht. Allerdings haftet der Verkaeufer fuer verschwiegene Maengel (OR Art. 197-210). Bei Haendlern besteht eine Gewaehrleistungspflicht, sofern sie nicht vertraglich ausgeschlossen wurde. Ein TCS-Kaufvertrag regelt diese Punkte klar.
Welche Warnsignale sollten mich vom Kauf abhalten?
Absolute Ausschlussgruende sind: milchiges Oel (Kopfdichtung), blauer Auspuffrauch (Oelverbrennung), fehlende oder gefaelschte Dokumente, leuchtende Airbag-Warnleuchte, erheblicher Rost an tragenden Teilen, und ein Verkaeufer, der keine Probefahrt oder Werkstattpruefung erlaubt.
Wo finde ich den besten Gebrauchtwagen in der Schweiz?
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