Auf einen Blick: Die Schweiz schreibt Winterreifen nicht gesetzlich vor, aber Sie müssen Ihr Fahrzeug stets beherrschen und in betriebssicherem Zustand halten (SVG). Bei einem Unfall im Winter mit Sommerreifen kann die Versicherung ihre Leistungen kürzen oder auf Sie zurückgreifen. Im TCS-Winterreifentest vom 22. September 2026 misst der TCS bei Nässe und 80 km/h knapp 18 m Unterschied im Bremsweg zwischen zwei Winterreifen für Kleinwagen (33,5 m gegenüber 51,4 m).
Der Herbst ist der richtige Zeitpunkt, sich Gedanken zu machen. Viele Autofahrer fragen sich, ob sie das ganze Jahr mit Sommerreifen fahren dürfen und ob ein günstiger Reifen genügt.
Dieser Artikel fasst zusammen, was das Gesetz verlangt, was der TCS dieses Jahr gemessen hat und wie Sie den richtigen Reifen wählen. Die Testergebnisse stammen vom TCS, wir haben selbst nichts getestet.
Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2026

Winterreifen in der Schweiz: Pflicht oder nicht?
Nein, eine allgemeine gesetzliche Winterreifenpflicht gibt es in der Schweiz nicht. Der TCS weist darauf hin: Man muss immer «den Verkehrssicherheitsregeln entsprechend» fahren. Das Strassenverkehrsgesetz (SVG) verlangt, dass das Fahrzeug in betriebssicherem Zustand ist (Art. 29) und dass die Fahrzeuglenkerin oder der Fahrzeuglenker das Fahrzeug jederzeit beherrscht (Art. 31).
Eine zahlenmässige Vorgabe gibt es dennoch: die Mindestprofiltiefe von 1,6 mm über die gesamte Lauffläche, festgelegt in der Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS, Art. 58). Sie gilt das ganze Jahr, nicht nur im Winter.
In der Praxis ist die Freiheit vor allem theoretisch. Wer mit Sommerreifen auf schneebedeckter Strasse einen Unfall verursacht, riskiert eine Busse sowie eine Leistungskürzung oder einen Regress der Versicherung (siehe unten).
Was Autofahrern mit Sommerreifen im Winter droht
Laut TCS können ungeeignete Reifen bei winterlichen Verhältnissen zu einer Busse und zu einem Regress der Versicherung führen. Der Beobachter (Artikel vom 28. Oktober 2025) präzisiert, dass die Versicherung ihre Leistungen von Anfang an kürzen oder nachträglich eine Rückerstattung verlangen kann. Ebenfalls laut Beobachter sind eine Busse oder sogar ein Führerausweisentzug möglich, weil das Fahrzeug nicht betriebssicher unterwegs war. Die zuständige Behörde legt die Sanktion auf der Grundlage des Polizeirapports fest.
Der TCS hält zudem fest, dass das Fahren mit Sommerreifen im Winter auch bei Wohnmobilen und Wohnwagen geahndet werden kann. Für diese Fahrzeuge gelten also keine lockereren Regeln.
Wie stark die Leistungen allenfalls gekürzt werden, hängt von den Umständen und von Ihrem Vertrag ab. Lesen Sie Ihre Allgemeinen Versicherungsbedingungen oder fragen Sie Ihre Versicherung.
Die Faustregel «Von O bis O»: Oktober bis Ostern
«Von O bis O» ist eine Faustregel, keine Rechtsvorschrift. Sie dient als Orientierung: Winterreifen im Oktober aufziehen und um Ostern wieder abmontieren. Auch der TCS empfiehlt, die Winterreifen zwischen Oktober und Ostern zu montieren.
Der Beobachter erinnert daran, dass der richtige Zeitpunkt je nach Region variiert: Laut Beobachter empfiehlt der TCS Menschen, die in den Bergen wohnen, die Winterreifen früher aufzuziehen und im Frühling je nach Wetter länger zu behalten. Der Reifenverband Swisspneu rät, sie früh genug zu montieren, da ihre Vorteile bereits ab 7 °C zum Tragen kommen.
TCS-Winterreifentest 2026: die Ergebnisse
Der TCS hat seinen Test am 22. September 2026 veröffentlicht. Er umfasst 32 Reifen, 16 pro Dimension: 185/65 R15 (Kleinwagen) und 225/50 R17 (Mittelklasse). Die Fahrsicherheit zählt zu 70 % in die Note, die Umweltbilanz zu 30 %.

Fast 18 m Unterschied beim Bremsen
Auf nasser Fahrbahn kommt der Bridgestone Blizzak LM 005 bei 80 km/h nach 33,5 m zum Stillstand. Der Rockblade Rock 868S braucht 51,4 m, also 17,9 m mehr. Dieser Unterschied betrifft die Reifen für Kleinwagen (185/65 R15).
Die «sehr empfehlenswerten» Reifen
| Dimension | Sehr empfehlenswert |
|---|---|
| 185/65 R15 | Continental WinterContact TS 870, Michelin Alpin 7 |
| 225/50 R17 | Pirelli Cinturato Winter 3, Continental WinterContact TS 870, Goodyear UltraGrip Performance 3, Michelin Alpin 7 |
Ein Reifen kann auf nasser Fahrbahn sehr gut bremsen und insgesamt trotzdem schlechter benotet werden: Der Bridgestone Blizzak LM 005, auf Nässe sehr gut, wird in 185/65 R15 nur als «mit Einschränkungen empfehlenswert» eingestuft. In die Endnote fliessen 19 Kriterien ein, nicht nur eines.
Die «nicht empfehlenswerten» Reifen
- 185/65 R15: Sunny Winter-max NW611, Atlas Polarbear HP, Rockblade Rock 868S.
- 225/50 R17: Falken Eurowinter HS02 Pro, Toyo Tires Observe EWS1, Tracmax Ice-Plus S210, Aptany RW211, Royal Black Royalwinter UHP, Sunwide Snowide.
Die vollständige Rangliste mit den Bewertungen «empfehlenswert» und «mit Einschränkungen empfehlenswert» finden Sie in der Medienmitteilung des TCS. Ein weiteres Ergebnis: In der kleinen Dimension liegt die voraussichtliche Laufleistung im Mittel bei rund 31’000 km, von 22’400 km (Bridgestone) bis 40’000 km (Kumho).
Die TCS-Tipps für die richtige Wahl
- Wählen Sie mindestens einen Reifen mit der Note «empfehlenswert».
- Behalten Sie im Herbst mindestens 4 mm Profiltiefe. Mit einem Zwei-Franken-Stück lässt sich das schnell prüfen.
- Entscheiden Sie nicht allein nach Preis oder Marke.
- Kaufen Sie am besten neue Reifen, die weniger als 3 Jahre alt sind. Die DOT-Nummer gibt Auskunft über das Herstellungsdatum.
- Montieren Sie vier Reifen desselben Modells und desselben Typs.
- Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Fahrassistenzsysteme einen ungenügenden Reifen ausgleichen.
Bei einem Occasionsfahrzeug gehört der Reifenzustand auf Ihre Kauf-Checkliste. Prüfen Sie auch die genaue Dimension Ihres Fahrzeugs: Sie steht auf der Flanke der aktuellen Reifen und in den Fahrzeugpapieren.
Ganzjahresreifen: eine Alternative mit Grenzen
Der TCS hat am 15. September 2026 einen Test von 16 Ganzjahresreifen in 185/65 R15 88H veröffentlicht. Nur einer ist «sehr empfehlenswert»: der Continental AllSeasonContact 2. Fünf sind «nicht empfehlenswert», insbesondere wegen sehr schwacher Leistungen auf winterlicher Fahrbahn: Norauto 4 Seasons 2, Bridgestone Weather Control A005 Evo, Mastersteel All Weather 2, Roadhog RGAS02 und Tomason Allseason.
Der Beobachter bezeichnet Ganzjahresreifen als Kompromiss. Er empfiehlt getrennte Sommer- und Winter-Radsätze und rät nur dann zu Ganzjahresreifen, wenn Sie bei Bedarf aufs Auto verzichten können. Winterreifen das ganze Jahr zu fahren ist nicht verboten, doch der Beobachter rät davon ab: Der Bremsweg verlängert sich bei warmem Wetter, und die Versicherung kann bei einem Unfall ihre Leistung kürzen.
Schneeketten: wann sind sie obligatorisch?
Eine allgemeine Pflicht gibt es in der Schweiz nicht. Sie wird erst auf einem Streckenabschnitt wirksam, der mit dem Signal «Schneeketten obligatorisch» gekennzeichnet ist. Der TCS empfiehlt dann, mindestens zwei Antriebsräder auf derselben Achse mit Ketten zu versehen. Die Pflicht gilt auch für Allradfahrzeuge, deren Stabilität oft überschätzt wird.
Laut TCS genügen Anfahrhilfen oder Anti-Rutsch-Sprays nicht. Mit Ketten fahren Sie nie schneller als 50 km/h: Sie verändern das Fahrverhalten des Fahrzeugs. Sie müssen Anfahren, Bremsen und Seitenführung auf Schnee und Eis sicherstellen.
FAQ: Winterreifen in der Schweiz
Sind Winterreifen in der Schweiz obligatorisch?
Nein, das Gesetz schreibt sie nicht generell vor. Die Fahrzeuglenkerin oder der Fahrzeuglenker muss aber nach den Verkehrssicherheitsregeln fahren. Bei einem Unfall mit Sommerreifen bei winterlichen Verhältnissen drohen eine Busse und ein Regress der Versicherung.
Welche Profiltiefe ist im Winter nötig?
Das gesetzliche Minimum beträgt 1,6 mm. Der TCS rät bei Winterreifen im Herbst zu mindestens 4 mm.
Ab wann sollte man Winterreifen montieren?
Die übliche Faustregel «Von O bis O» meint Oktober bis Ostern, ist aber keine Rechtsvorschrift. In den Bergen empfiehlt es sich, früher umzurüsten. Der Reifenverband Swisspneu rät, die Winterreifen früh genug zu montieren, da ihre Vorteile bereits ab 7 °C zum Tragen kommen.
Welcher ist der beste Winterreifen im TCS-Test 2026?
Der Continental WinterContact TS 870 und der Michelin Alpin 7 sind in beiden getesteten Dimensionen «sehr empfehlenswert». Der Pirelli Cinturato Winter 3 und der Goodyear UltraGrip Performance 3 sind es zusätzlich in 225/50 R17.
Genügen Ganzjahresreifen in der Schweiz?
Laut Beobachter bleiben sie ein Kompromiss. Im TCS-Test vom 15. September 2026 ist nur ein Modell von 16 «sehr empfehlenswert» (Continental AllSeasonContact 2), fünf sind «nicht empfehlenswert».
Braucht man Schneeketten im Auto?
Nicht aufgrund einer allgemeinen Pflicht. Sie sind nur auf Strecken verlangt, die mit dem Signal «Schneeketten obligatorisch» gekennzeichnet sind, auch für Allradfahrzeuge.
Die richtige Reifendimension für Ihr Fahrzeug finden
Vor dem Kauf müssen Sie die zugelassene Dimension Ihres Modells kennen. Auf der Seite Reifen nach Modell von Motoro finden Sie sie, und die technischen Daten enthalten die Schweizer Zulassungsdaten. Wenn Sie ein Occasionsfahrzeug suchen, das bereits mit passenden Reifen ausgerüstet ist, können Sie die Autoinserate durchsuchen.
Quellen: TCS — Winterreifentest 2026, TCS — Ganzjahresreifentest 2026, TCS — Wo und wann Winterreifen montieren? (französisch), TCS — Schneeketten: ja oder nein? (französisch), Beobachter — Warum Ganzjahresreifen keine Ganzjahreslösung sind (28. Oktober 2025), Fedlex — Strassenverkehrsgesetz (SVG), Art. 29 und 31, Fedlex — Verordnung über die technischen Anforderungen an Strassenfahrzeuge (VTS), Art. 58, Swisspneu — Winterreifen (französisch)
Mehr dazu im Motoro-Blog:
- Komplette Checkliste für den Kauf eines Gebrauchtwagens in der Schweiz
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